Gefühle

Starke Schmetterlinge_Malbuch_BOD.inddGefühle gehören zu uns, sie sind ein Teil von uns. Doch sie sind wie das Wetter: sie kommen und gehen – ich bleibe aber immer ich. Ich muss mich nicht von meinen Gefühlen so stark beeinflussen lassen, dass ich keine andere Handlungsoptionen mehr habe, als meine Gefühle unreflektiert auszuagieren. Um mit meinen Gefühlen konstruktiv umgehen zu können, muss ich lernen sie wahrzunehmen. Ich kann sie fühlen und herausfinden, warum sie da sind und schauen, was ich brauche, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Denn dann können sie ein wichtiger und hilfreicher Wegweiser durch mein Leben sein.

Wichtig ist auch das Vertrauen, dass meine Gefühle immer richtig sind. So wie ich mich fühle, ist es okay. Egal ob wütend, glücklich, traurig, müde, enttäuscht … kein Gefühl ist besser oder wertvoller als ein anderes. Viele Menschen wollen die „schlechten“ Gefühle weghaben und nur mit „guten“ Gefühlen leben. Doch das Leben ist vielseitig und so ist es hilfreich, wenn wir mit allen Gefühlen gut umgehen können. Ein Gefühl wegzudrücken heißt nur, dass wir es nicht fühlen wollen, doch es ist immer noch da und liegt wie ein Schatten über allem. Wenn wir selbst vorleben, dass es in Ordnung ist in einer schwierigen Situation zu weinen, können wir unseren Kindern ein Vorbild sein, zu sich und ihren Gefühlen zu stehen.

Die Frage ist: Wie kann ich meine Gefühle wahrnehmen und leben, ohne dass ich mich und andere dabei verletze? Dazu gehört auch, meine Gefühle nicht als Rechtfertigung für meine Taten zu nehmen.

Für meine Gefühle und Handlungen bin ich selbst verantwortlich. Wenn es ein Kind schafft, dass es mit seinem Verhalten meine Stimmung so maßgeblich beeinflusst, dass ich wütend werde, gebe ich die Verantwortung für meine Gefühle ab. Das heißt, dass es in der Hand des Kindes (oder jeder anderen Person) liegt, wie ich mich fühle. Ich kann diese aufkeimenden Gefühle wahrnehmen, mir überlegen warum mich das so auf die Palme bringt, und mit diesem Hinweis entscheiden, ob ich wirklich voll in dieses Gefühl hineinkippen möchte. Eine gute Möglichkeit mich selbst besser kennen zu lernen ist herauszufinden, was mich in diesen Situationen genau triggert. Meist gibt es einen Grund, warum ich so getroffen bin.

Viele von uns haben erlebt, dass ihnen ihre Gefühle schon seit jüngster Kindheit abgesprochen werden. „Stell dich nicht so an, so schlimm ist das gar nicht!“, ist nur ein Satz, der dem Kind abspricht, wie das Kind die Situation empfindet. Passiert es aber oft, dass die Gefühle von Kindern nicht ernst genommen werden, nehmen sie die Kinder bald selbst nicht mehr ernst und verlassen sich auf Ansagen aus der Außenwelt. „Aber die Strumpfhose kratzt doch gar nicht. Die kannst du schon anziehen.“ Wenn die Strumpfhose als kratzend empfunden wird – kratzt sie. Wenn eine Gegebenheit als beängstigend empfunden wird – ist sie beängstigend. Das heißt nicht, dass man gegen all die Sachen im Moment etwas tun kann und muss, aber man kann dem Kind zugestehen, dass es so fühlt. Die eigene Wahrnehmung ist immer subjektiv. Andere haben vielleicht nicht die gleiche Wahrnehmung wie ich, doch deswegen ist meine nicht weniger richtig oder besser als die von anderen. Es ist nur meine – und damit die einzige Wahrnehmung die ich habe. Die Perspektiven von anderen kann ich als zusätzliche Informationen nutzen, mehr aber auch nicht. Einem Kind ständig seine Gefühle und Wahrnehmungen abzusprechen führt dazu, dass es seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr vertraut und ist somit eine Facette von emotionalem Missbrauch.

Für den Alltag heißt das, dass ich immer schauen muss, dass es mir gut geht, ich selbst zu meinen Gefühlen stehe und konstruktiv mit ihnen umgehe. So kann ich z.B. nach einer Nacht mit wenig Schlaf selbst zu mir sagen: „Heute bin ich müde und gereizt“, und schauen welchen Tagesablauf ich gut bewältigen könnte, ohne dass ich mein Genervtsein an den Kindern auslasse. Nur wenn ich meine eigenen Bedürfnisse befriedige und auf mein Wohl achte, habe ich genug Kraft und Ressourcen Kinder auf ihrem Weg durch die Gefühlswelt zu begleiten.

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Gefühle“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagogen und Pädagoginnen:

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