Weinen & Traurigkeit

bild_traurigkeit_rahmenTraurigkeit ist ein wertvolles Gefühl, genau wie jedes andere. Für Kinder ist es noch natürlich zu weinen, egal, ob es sich um körperlichen oder seelischen Schmerz handelt. Das ist eine Gabe, die wir Erwachsene oft verlernt haben. Doch wenn man seinen Schmerz verdrängt, meldet er sich immer wieder. Heidi Maier-Hauser schreibt dazu: „Unzählige Depressionen Erwachsener wie auch von Kindern entstehen, weil sie nicht gelernt haben, mit ihren Gefühlen auf Du und Du zu stehen.“¹ Lassen wir die Kinder weinen, wenn es ihnen danach ist, tragen wir zu ihrer emotionalen Stabilität bei. Richtig freuen kann man sich nämlich nur, wenn man durch Schmerz gegangen ist. Um unsere Gefühle voll zu leben, müssen wir alle Gefühle zulassen und nicht nur die, die wir oder andere gerade gern hätten. Tragen wir einen Seelenschmerz in uns, können wir uns nur beschränkt freuen, da er ständig aufs Gemüt drückt.

So gesehen ist das Weinen der Kinder etwas Heilendes. Rebeca Wild spricht auch vom „Lösenden Weinen“. Die Tränen fließen und lösen die Spannung, die durch Schock, Schmerz oder eine empfundene Ungerechtigkeit, etc. ausgelöst wurden. Wir haben gemerkt, dass es den Kindern gut tut, mal alles rauszuweinen, da sie dann viel entspannter sind und danach wieder ins Spiel finden. Offene Anteilnahme, wie: „Ich sehe du weinst.“, „Bist du traurig?“, können dabei helfen. Es ist nicht immer einfach, eine Umgebung zu gestalten, in der es möglich ist, Kinder ausweinen zu lassen. Aber wenn wir es schaffen, entsteht mehr Tiefe in der Beziehung, weil wir die Kinder ernst nehmen, sie ihre Gefühle zulassen dürfen und wir für sie da sind.

Kinder im Weinen zu begleiten, kann eine wunderschöne Erfahrung sein … auch wenn sich dabei unser eigener Schmerz meldet. Dann ist es Zeit für eigene Seelenhygiene 🙂

Natürlich gibt es auch andere Formen des Weinens, mit denen die Kinder versuchen die Welt nach ihren Vorstellungen zu manipulieren. Da braucht es, wie bei allem in unserem Beruf, viel Fingerspitzengefühl und ein offenes Herz.

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Weinen & Traurigkeit“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagoginnen und Pädagogen

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¹ Maier-Hauser, H. (2000). Lieben – ermutigen – loslassen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. Seite 172

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