Geliebt werden

geliebtwerdenKinder brauchen das Gefühl, lieb gehabt zu werden. Es hilft ihnen, in sich selbst zu ruhen und sich durch und durch wohl zu fühlen. Wir geben ihnen durch unsere Liebe einen Platz hier auf der Welt. Einen Platz, an dem sie sich ausdrücken können, an dem sie sie selbst sein können – eben so, wie sie sind.

Laut Jesper Juul gibt es „[…] zwei Dinge, die unser Selbstgefühl nähren. Zum einen, wenn wir von mindestens einer wichtigen Person in unserem Umfeld bewusst „gesehen“ und akzeptiert werden; zum anderen, wenn wir erleben, für andere Menschen wertvoll zu sein, ohne uns verstellen oder etwas leisten zu müssen.“¹ Sätze wie: „Schön, dass du da bist“ und „Ich freu mich so, dass es dich gibt“ können dabei genauso helfen wie ein Blick oder eine Umarmung. Kinder spüren jedoch genau, ob solche Sätze von Herzen kommen 😉

Dieses „Ich hab dich lieb, egal was. Ich bin immer da für dich“ , ist oft gar nicht so leicht zu leben. Kinder machen immer wieder Blödsinn, leisten nicht das, was sie vermeintlich könnten, bzw. wir uns vorstellen und dann ist die Frage, ob wir sie immer noch genauso spüren lassen können, dass wir sie lieb haben. Ein guter Ansatz ist, mit den Kindern ein ehrliches Gespräch zu führen. Wertschätzung bedeutet, sich nicht zu schade zu sein, die Welt aus den Augen des anderen zu betrachten. Das gilt auch für solche Gespräche mit den Kindern, in denen man sich ihre Sicht erzählen lässt und dann auch die eigene Perspektive erklärt. Durch so ein respektvolles Gespräch löst sich die Situation meist in beidseitiges Wohlwollen auf und die Kinder lernen durch das eigene Erleben, wertschätzenden Umgang mit anderen Menschen. Das geht am besten, wenn wir mit all unseren Gefühlen gut umgehen können. Manchmal passiert es leider auch uns immer noch, dass wir zwar gerne anders handeln würden, aber in die Falle tappen, der Erwartungshaltung anderer zu entsprechen. So maßregeln wir z.B. das Verhalten eines Kind, obwohl uns das Verhalten selbst nicht wirklich gestört hat, wir aber vor den Augen anderer anwesender Lehrer meinen, so handeln zu müssen. Immer öfter gelingt es uns aber, solche Situationen rechtzeitig zu erkennen und uns bewusst für unsere Überzeugung, für unsere Beziehung zum Kind und für das Kind zu entscheiden.

Um resilient und lernbereit zu sein, muss ein Kind die Liebe zumindest einer Bezugsperson spüren können. Das ist vorrangig die Aufgabe der Eltern. Wir im Erziehungsbereich können trotzdem unseres dazu beitragen. Robert Brooks erforscht seit Jahrzehnten Resilienz und schreibt: „Wir sind […] beeindruckt zu sehen, wie viel schon eine einzige solche Person – Elternperson oder nicht – dazu tun kann, dass ein Kind eine optimistische und resiliente Welt- und Lebensorientierung ausbildet.“²

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Geliebt werden“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagoginnen und Pädagogen

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¹ Juul, J. (2009). Dein kompetentes Kind. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag. Seite 102

² Brooks, R.  (2007). Das Resilienz-Buch. Stuttgart: Klett-Cotta. Seite 126

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