Miteinander

bild_miteinanderRegeln sind für das Zusammenleben wichtig und können allen Beteiligten Sicherheit und Orientierung vermitteln. Wenn klar ist „Wer darf wann was?“ gibt das einen Rahmen vor, in dem ich mich frei und selbstständig bewegen kann.

Gemeinsam im Sitzkreis oder einer Kinderkonferenz können wir überlegen, welche Regeln notwendig und förderlich sind, und welche Konsequenzen es gibt, so die Regeln nicht eingehalten werden. Die Konsequenzen sollten nachvollziehbar und direkt mit der Sache verknüpft sein. So können Kinder lernen, dass ihr Handeln Folgen hat und sie dafür selbst verantwortlich sind. „Wenn ich beim Anziehen trödle, haben wir weniger Zeit im Garten.“

Im Alltag sind weniger Regeln meist hilfreicher als viele Regeln, die für die Kinder schwer zu merken, und zum anderen für die Pädagoginnen schwer umzusetzen sind. Eine Reduktion auf die wirklich wichtigen Regeln hat den Vorteil, dass ich voll dahinter stehe und nicht halbherzig versuche eine Flut von Regeln einzufordern.

Kinder werden immer wieder Grenzen austesten, um zu sehen was passiert, wenn sie etwas Verbotenes tun. Ein flexibler und situationsbezogener Umgang mit den Konsequenzen ist notwendig, auch wenn klar sein muss, dass manche Regeln nicht gebrochen werden dürfen, wie z.B. auf die Straße laufen, ohne zu schauen oder das Klettern auf das Balkongeländer, da es einfach zu gefährlich ist.

Wenn wir z.B. vorher die Regel „Wir schlagen nicht!“, aufgestellt haben, gilt diese für alle Kinder ausnahmslos und hat zur Konsequenz, dass wir die anderen Kinder vor dem schlagenden Kind schützen werden, indem wir es z.B. für eine festgesetzte Zeit auf einem Platz abseits sitzen lassen. Diese „Auszeit“ für das betroffene Kind ist somit auch keine Strafe, sondern eine logische Folge.

Es ist sinnvoll sämtliche Regeln von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu formulieren oder dem Entwicklungsstand der Kinder anzupassen.

Beim Durchsetzen von Konsequenzen schließen wir uns folgendem Zitat an. „Je sparsamer wir mit Worten umgehen und je weniger wir uns abmühen und ärgern, umso besser!“¹ Einer Regelübertretung kann ich ruhig und sachlich begegnen und einfach handeln, ohne selbst ärgerlich zu werden.Voraussetzung für so eine emotional neutrale Reaktion ist aber, dass ich mir meiner eigenen Gefühle bewusst bin und immer handlungsfähig bleibe, ohne selbst in meine Emotionen zu kippen. (Siehe Gefühle-Gedanken)

Natürlich kann es sein, dass ein Kind, welchem ich Grenzen setze, zunächst ärgerlich auf mich ist. In meiner Rolle als Pädagogin kann ich aber auch diesem Gefühl ruhig gegenübertreten, wenn ich weiß, dass sowohl die Regel, als auch die Konsequenz vorher bekannt waren. Zudem gehört es zum Entwicklungsprozess von Kindern, Regeln auszutesten und mit den aufkommenden (negativen) Gefühlen umgehen zu lernen.

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Miteinander“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagoginnen und Pädagogen

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¹ Maier-Hauser, H. (2000). Lieben – ermutigen – loslassen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. Seite 32

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