Selbstwert

bild_selbstwert„Selbstwert baue ich auf, wenn ich Dinge tu, die funktionieren.“ (Wolfgang Brandhuber). In diesem kurzen Satz steckt sehr viel drin, wie wir im Alltag Selbstwert aufbauen können. Es sind nicht immer die großen Dinge, die ich schaffen und erledigen muss, sondern es sind die vielen kleinen Schritte, über die ich mich freue und auf die ich stolz bin, welche mich mit einem guten Gefühl durch den Tag gehen lassen.

Wenn ich meinen Alltag durch die Brille anschaue „Was funktioniert alles bei mir?“, werde ich jede Menge entdecken können, dem ich sonst kaum Wert beimesse oder Beachtung schenke. Ich kann mir aber auch bewusst etwas suchen, mit dem ich Selbstwert aufbauen möchte. Täglich kann ich mich fragen: Was wäre ein Schritt, der mich persönlich weiter bringt? Da gibt es im (Arbeits)Alltag viele Möglichkeiten: Gibt es ein Hobby, das ich schon lange einmal ausprobieren wollte? Kann ich an eine Sache mal ganz anders herangehe als bisher? Oder ich erschließe mir ein Themengebiet, das ich bislang weit von mir geschoben habe mit dem Argument: es liegt mir nicht. Oder mir als Ziel setzen, noch mehr mit den Kindern zusammen zu arbeiten. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt das bekannte Fahrwasser zu verlassen und Neues auszuprobieren.

Mache ich mich selbst auf den Weg, Dinge zu tun, die funktionieren, kann ich auch die Kinder dazu begeistern. Ich weiß, wie gut sich das Gefühl anfühlt, etwas geschafft zu haben … und werde es gern weitergeben. Ich bekomme auch einen Blick dafür, dass es oft die kleinen Dinge sind, die uns über uns hinauswachsen lassen und uns die Kraft und den Mut geben, das nächste Mal etwas Größeres in Angriff zu nehmen. So gebe ich vielen Aktionen der Kinder einen anderen Stellenwert und es wird fast selbstverständlich, dass ich ihre Erfolge wertschätzen möchte. Ein aufmunternder Blick, ein nettes Wort und die gemeinsame Freude über das Geschaffte, sind sichtbare Zeichen dafür, auch wenn die innere Wertschätzung, die ich empfinden kann, die wichtigste Komponente ist. Wir haben mit der Zeit bemerkt, dass es am angenehmsten für alle Beteiligten ist, wenn wir nicht-wertend kommentieren und versuchen die Situation einfach zu beschreiben: „Du bist schon oben!“, wenn ein Kind freudig vom Kletterturm herunterwinkt.  So geben wir die Botschaft: „Ich sehe was du macht. Ich sehe dich!“ In dieser Rolle des Beobachters kommt es auch nicht so schnell vor, dass Kinder nur mehr etwas tun um gelobt zu werden.

Mit der Zeit entwickeln wir ein tieferes Gefühl dafür, wie wohltuend es ist, Dinge zu tun, die funktionieren. An Tagen, an denen nichts zu klappen scheint … bekommen wir direkt Sehnsucht nach diesem Gefühl. Weiß ich dann schon „Wenn ich diese oder jene Tätigkeit mache, geht es mir gut“, kann ich mir ganz schnell selber helfen und wieder Boden unter die Füße bekommen.

Mit den Kindern reflektieren wir regelmäßig unseren Tag und schauen ganz bewusst: „Was habe ich heute geschafft?“. Ich kann aber auch im direkten Kontakt mit dem Kind immer wieder echte Anteilnahme zeigen und aufmunternde Worte finden, damit dem Kind bewusst wird, was es gerade leistet. Darum ist es auch so wichtig, Kinder (oder ihre Handlungen) nicht abzuwerten, da damit der positive Kreislauf „Ich werde es schaffen. Ich kann es“, unterbrochen wird und schnell eine Abwärtsspirale einsetzen kann. Da hören wir dann „Ich kann das nicht“, und sehen oft schon eine Verweigerung, etwas überhaupt auszuprobieren.

Brooks und Goldstein formulieren es ähnlich: „Resiliente Kinder freuen sich an ihren Erfolgen. Alles, was ihnen gelungen ist, stärkt ihre zukünftigen Bemühungen und letztlich ihre Leistung, weil damit ein positiver Kreislauf in Gang kommt.“¹

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Selbstwert“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagoginnen und Pädagogen

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¹Brooks, R.  (2007). Das Resilienz-Buch. Stuttgart: Klett-Cotta. Seite 177

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