Selbstwirksamkeit

bild_selbstwirksamkeitSelbstwirksamkeit ist das Vertrauen in mich, dass ich aufgrund meiner Kompetenzen eine Handlung nach meinen Vorstellungen ausführen kann. Zum Beispiel: Ich habe ein Problem und ich hab das Vertrauen in mich, dass ich es lösen kann. „Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas zu bewirken und auch in schwierigen Situationen selbstständig handeln zu können, hat demnach eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung.“ (Wikipedia) Selbstwirksamkeit ist somit ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Habe ich eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung, dann traue ich mich an größere Herausforderungen heran. Da ich das Vertrauen habe, sie zu schaffen, werde ich sie vermutlich auch erfolgreich lösen. Dadurch erfahre ich, dass ich etwas bewirken kann und meine Selbstwirksamkeitserwartung steigt. Somit beginnt die Erfolgsspirale.

Selbstwirksamkeit entwickelt sich, wenn das Kind spürt, dass es etwas beeinflussen oder mitgestalten kann, wenn seine Meinung auch zählt. Das kann ich umsetzen, indem ich Kinder Entscheidungen treffen lasse: „Singen wir das oder das Morgenlied?“, „Gehen wir in die Turnhalle oder in den Garten?“, „Saft oder Wasser?“ So beginnen die Kinder sich selbst,  ihre Vorlieben und ihre Stärken zu kennen.

Der Aspekt der Selbstwirksamkeit wird in der Geschichte durch das Lied Bleib dran verkörpert. „Bleib einfach dran, weil jeder alles schaffen kann. Klappt’s heut nicht, dann klappt’s irgendwann. Bleib dran.“ Wenn ein Kind sich ein schwierige Aufgabe sucht und dran bleibt hat es am Schluss ein riesiges Erfolgserlebnis. Trägt ein Kind ein volles Tablett von einem Raum in den anderen hat man oft selbst das Bedürfnis helfend einzugreifen und es ist nicht leicht einfach ermutigend daneben zu stehen. Hat das Kind das Tablett aber sicher abgestellt und dreht sich dann strahlend zu uns um, ist das ein wunderschöner Moment, den wir in Erinnerung behalten. Ich kann sie unterstützen, ihnen Mut zusprechen, sie daran erinnern, was sie schon alles können und ins Kind und seine Fähigkeiten vertrauen. Wenn ein Kind beispielsweise die Leiter bis ganz hinaufklettert und dann Angst bekommt, können wir hinaufklettern und versuchen es herunterheben. Wir können aber auch dabei stehen und es ermutigen, selbst einen Weg hinunter zu finden. „Du kannst es alleine.“ Es wird ein bisschen dauern, es wird einige Möglichkeiten beginnen, bis es einen Weg findet. Bevor das Kind an sich selbst zweifelt oder alles hinschmeißt, kann ich ihm helfen – helfen, dass es wieder alleine weitermachen kann. In dem Fall wäre es wahrscheinlich eine Anleitung wie: „Geh mit dem einen Fuß eine Sprosse hinunter, dann mit dem anderen. Super. Und jetzt eine Hand nach der anderen“, hilfreich. Maria Montessori hat den Leitspruch für ihre Pädagogik: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Ein wunderschöner Satz, der aber nicht immer leicht zu leben ist.  Manchmal werden die Kinder, wenn es nicht klappt wütend oder verzweifeln. Auch da können wir sie begleiten mit Worten wie „Ich bin sicher, du schaffst das. Mach eine kurze Pause. Alles gut.“ Das schönste ist dann die gemeinsame Freude, wenn es das Kind schafft – ganz alleine.

Wenn ich Selbstwirksamkeit fördern möchte, kann ich die Umgebung so gestalten, dass selbstständiges Tun möglich ist, die Kinder Entscheidungen treffen und Herausforderungen selbst finden können. Im Kindergarten ist es meist ganz normal, dass die Kinder mal in die Bauecke gehen, mal in die Puppenecke. In der Schule bieten offene Lernformen wie Stationentraining, Tagesplan, Wochenplan oder Freiarbeit den Kindern diese Möglichkeit.

Ein guter Einstieg in diese Thematik ist, ihre Stärken zu stärken, Dinge anzubieten, die die Kids gut können. Oft sind sind sie dann so stolz und selbstbewusst, dass sie sich auch mit Bereichen auseinandersetzen, die für sie bisher problematisch waren. Das hilft ihnen, in neuen Situationen in sich zu vertrauen. „Ich habe zwar Angst, aber ich werde es schaffen! Heute kann ich noch nicht Rad fahren, aber ich werde es lernen und kann es bestimmt üben. Ich kann zwar noch nicht gut lesen, aber dafür bin ich im Rechnen gut.“¹ So beginnt der Erfolgskreislauf „Stärken stärken hilft Schwächen zu schwächen.“

 

Einleitende Gedanken des Kapitels „Selbstwirksamkeit“ aus unserem entstehenden Ideenbuch für Pädagoginnen und Pädagogen

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¹Sit, M. (2012). Sicher, stark & mutig. Kinder lernen Resilienz. Freiburg im Breisgau: Kreuzverlag. S. 78

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