Mitbestimmen

Ich gehe mal von mir aus: Wenn ich etwas machen muss, dann mache ich es nicht gerne. Aber wenn ich wählen kann, was ich mache oder selbst bestimmen kann, was ich machen möchte, macht es plötzlich Spaß. Und wenn ich es selbst entscheide, bin ich auch verantwortlich, ob es klappt oder nicht. Drum ist es mir so wichtig, dass es funktioniert. Ich sehe, dass ich etwas beeinflussen kann, dass meine Meinung zählt, ich habe das Gefühl: ich bin wertvoll und habe einen Platz.

Deshalb lassen wir die Kinder viel mitbestimmen.

Obendrein ist es viel schöner, wenn wir gemeinsam bestimmen, wie wir miteinander umgehen wollen, welche Themen uns interessieren und Freiräume für jeden haben, sich selbst einzubringen. So wird jeder Tag noch schöner, da jeder ihn bereichern kann. Ein Beispiel dazu: Morgens kommt ein Kinder schon mit dem Satz „Heute will ich meine Geschichte weiterschreiben!“ ins Klassenzimmer. Es freut sich auf den Tag, aufs Lernen und steckt andere an. Plötzlich schreiben fünf Kinder lange Geschichten.

Ein anderes Kind bringt ein Lied mit auf CD und nachdem alle Kinder gleich aufspringen und versuchen mit zu singen, nehmen wir es in den Klassenliedschatz auf.

Das sind oft spontane Einwürfe der Kinder, die richtungsgebend für die ganze Klasse sind.

Zusätzlich haben wir fixe Mitbestimmungsmöglichkeiten eingebaut.

  • Wie wollen wir miteinander umgehen – Klassenregeln
    Unsere Klassenregeln hängen auf einem Plakat in der Klasse. Nach einiger Zeit nehmen wir es ab und besprechen, was uns jetzt wichtig ist fürs Zusammenleben. Manchmal kommen dieselben fünf Regeln wieder, manchmal ist ihnen ein anderer Punkt noch wichtig, oder einer fällt weg. Schön ist, dass die Kinder sagen können, was sie nicht mögen und was sie toll finden. Eine Regel zum Beispiel ist: In der Klasse wird nicht gelaufen. Wer aber Bewegung braucht, nimmt sich die 3 Minuten Sanduhr und darf vor der Tür Springschnur springen.
  • Arbeitspläne
    Aus dem Tages- oder Wochenplan können die Kinder wählen, was jeder jetzt machen möchte. Sie lernen ihre Vorlieben und Arbeitsweisen kennen. „Ich mach als erstes alles aus Mathe.“ oder „Ich schau, was es gibt und schreibe mir selbst den Tag dazu, was ich wann machen möchte.“ Manche Kinder teilen den Wochenplan selber in Tagespläne ein.
  • Turnen
    Jedes Kind holt sein Turnsackerl und dann wird es spannend. Wir besprechen, was wir in unserer Gerätelandschaft haben wollen. Zuerst kommen die Ideen, dann suchen sich die Kinder aus, was sie aufbauen wollen. Wenn alles durchgeplant ist, geht es los. Da Turnen so viel Spaß macht, wollen wir so schnell es geht dahin. Drum sind wir da extra leise. Im Turnsaal geht es dann sehr schnell, eine tolle Gerätelandschaft aufzubauen. Und am Schluss wird schon für die nächste Stunde überlegt. „Wie wäre es, wenn …?“ „Weißt du, was ur super wäre?“
  • Mitbestimmung im Sachunterricht projekt schmetterlingprojekt marienkäfer
    Am Anfang des Jahres sammeln wir mit den Kindern Themen, zu den sie gerne forschen wollen. Die Kinder schreiben sie an die Tafel. Nach einer Woche schauen wir uns die Themen gemeinsam an, fragen bei Unklarheiten nach und stimmen ab, welche wir wirklich behandeln. Auch wir Lehrer schreiben Themen dazu, die wir für wichtig halten, so dass die Kinder alle Inhalte des Lehrplans erfahren. Dieser Prozess ist besonders spannend. Über eine Woche wird gesammelt. Immer wieder steht ein Grüppchen vor der Tafel und bespricht die Themen durch. Manche machen Werbung für ihr Lieblingsthema. Dann hat ein Kind eine Idee: „Marienkäfer“, ein anderer sagt: “Ja super, dann wünsche ich mir Schmetterlinge.“ … und am Schluss fassen wir es als Thema Wiese zusammen und alle finden es spitze. Erdöl, Produktion, Körper, Weltall, Tiere, Bäume, Magnetismus, Ritter … wir staunen jedes Mal was unsere Kinder einbringen. ;)

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